|
Tunika, Kotta, Léine

|
Die Tunika Markwards stellt ein Kleidungsstück eines ministerialen Reichsritters dar, der durch
seine Leistungen und die Gunst des Kaisers später ein Herzog wurde. Die Tunika ist anscheinend
tailliert geschnitten. Die Weite des Rocks wird man aber wohl nur mit Keilen erreichen können.
Die Ärmel sind sehr engliegend, wie es ohne Strechstoffe wohl damals nur schwer machbar war.
Auffällig ist die grüne (!) Farbe und Borten am Oberarm. Die Tunika endet oberhalb des
Knies. Markward trägt hier keine Beinlinge.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Im Stehen dürfte diese grüne Tunika wohl bodenlang gewesen sein. Für beachtenswert
halte ich die Schlichtheit dieser immerhin königlichen Tunika und die Tatsache, daß kein
Gürtel getragen wurde.
Quelle: Kelso Charter von der
Timeline der National Library of Scotland (Schottland, 1159)
|
|
Fürst Roger trägt hier eine grüne kurze (knielange) Tunika mit einer
Verzierung (Borte) am Oberarm. Die Knie erscheinen unbekleidet. Eine Fußbekleidung,
die bis an das Knie heranreicht (weiche Stiefel) und ein einfach gefiebelter
Umhang runden das Bild ab.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Bei dieser Frauentunika aus dem Volk ist schön der verzierte V-Ausschnitt zu erkennen.
Mit den engen Ärmeln und dem ansonsten weiten Schnitt ist der Unterschied zu den
Herrentunikas nur in den enthaltenen Körperformen zu sehen.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Die hier gezeigte Tunika eines Bogenschützen zeichnet sich durch den wellenförmigen
Schnitt am unteren Ende aus. Der gesamte Schnitt scheint gerade zu sein. Sogar der
Halsausschnitt ist nicht weiter ausgearbeitet. Hier haben wir einen recht weit
aufklappenden U-Boot-Ausschnitt.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
Mantel, Umhang
|
Es handelt sich hier anscheinend um einen halbrunden Radmantel. Dieser Umhang reicht bis zu den
Knöcheln, was durch das Ansetzen des safran(?)farbenen Stücks erreicht wurde. Ansonsten
würden selbst 150cm nicht reichen. Der Mantel wurde ohne Verwendung einer Schnur direkt geschlossen,
wobei nicht klar ist, ob eine Fibel, eine Nadel oder ein Knopf verwendet wurde.
Die Farbkombination mag zwar für unsere Augen gewöhnungsbedürftig sein, bunt wurde
aber mit wohlhaben, höhergestellt und damit schön gleichgesetzt.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Dieser Rechteckmantel hat eine aufwändige Umrandung, die sehr wohl mit Goldfasern gewirkt sein
könnte. Auch hier handelt es sich um ein königliches Gewand, das jedoch weniger schlicht ist
als die Tunika seines Großvaters. Die Schließe scheint keine Ringfibel sondern eher
eine geschlossene Form zu sein.
Quelle: Kelso Charter von der
Timeline der National Library of Scotland (Schottland, 1159)
|
|
Das Reisegewand, das Richard Löwenherz hier trägt, ist schlicht praktisch. Grob gesagt
handelt es sich um eine knielange Tunika (seitlich geschlitzt) mit angesetzter Gugel.
Als besondere Spezialität kann man die Arme aus den Ärmeln ziehen und an den Axeln wieder
herausstecken. Dadurch hat man den Vorteil der kurzen Arme, wenn es zu warm wird.
Anscheinend hat dieses Wams die Konsistenz eines Gambesons: In der nächsten Abbildung
trägt ein Diener dieses Gewand und es ist noch genauso in Form, scheint also recht steif
zu sein. Unter dem Gewand trägt Richard eine dünne ebenfalls knielange Tunika.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
Schuhe
|
Leider sind die Schuhe nicht fein ausgearbeitet. Es scheinen jedoch rote hohe Stiefel aus weichem
Leder zu sein. Eine Spitze ist zwar zu erahnen, um Schnabelschuhe handelt es sich jedoch
keinesfalls.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|

|
Die Schuhe sind in beiden Fällen nicht gut zu erkennen. Jedenfalls handelt es sich um
knöchelhohe Schuhe aus farbigem Material. Die Schuhe scheinen sich der Fußform anzupassen,
eine feste Sohle ist also eher zu bezweifeln. Ich habe den Eindruck, beim oberen Schuhpaar etwas,
was einer innenliegenden Schnürung entsprechen könnte zu entdecken - aber sicher ist
hier nichts.
Quelle: Kelso Charter von der
Timeline der National Library of Scotland (Schottland, 1159)
|
|
Hier ist eindeutig eine nachvollziehbare Schuhform abgebildet. Fraglich ist jede
Form des Schließmechanismus, da dieser nicht abgebildet ist. Eine ausgearbeitete
Ferse und eine leichte Spitze sind jedoch deutlich zu erkennen.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
Waffenrock
|
Dieser Waffenrock scheint im Oberkörperbereich gerade geschnitten zu sein. Beachtenswert sind
hier die großen Armlöcher, die eine gewissen Bewegungsfreiheit gewährleisten.
Im unteren Bereich scheinen seitliche Keile eingebracht zu sein oder der Stoff wurde schräg
geschnitten. Bei einem anderen Waffenrock dieser Abbildung sieht man zumindest vorne einen Schnitt,
der mehr Beinfreiheit bringt und das Reiten ermöglicht.
Quelle:
bibliotheca Augustana bzw. Die Ritter ISBN 3-8062-1791-2 S.44
|
Sonstige Kleidungsstücke
|
Hier ist ausnahmsweise ein Gürtel genau gezeichnet. Die meisten abgebildeten Personen
tragen keine oder nur angedeutete Gürtel. Deutlich zu erkennen ist das herabhängende
Ende. Ansatzweise kann man erkennen, dass der Gürtel an der Schließe in einer Schlaufe
liegt.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Der königliche Sproß ist durch Bänder zur Bewegungslosigkeit verdammt.
Immerhin wird er von seiner Mutter (der Königin) selbst gestillt. Ein Umstand,
der im Text besonders erwähnt wird, also eher die Ausnahme darstellen dürfte.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Die Kopfbedeckung des alternden Fürst Roger scheint eine Filz- oder Wollkappe zu sein.
Die leuchtende Farbe ist auch nach 800 Jahren noch gut zu erkennen.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Hinten am Gürtel trägt dieser Bote einen Tornister oder eine Gepäckrolle.
Entgegen den Gepflogenheiten unserer Zeit wird die Last also nicht an die
Schultern gehängt. Dieses Gepäckstück schmiegt sich viel mehr im Lendenbereich an
den Rücken und wird durch den Gürtel fixiert.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Dieser Hut wird hier nur von Bogen- und Armbrustschützen getragen. Beim Aufmarsch der Truppen
sind sogar alle Schützen mit diesem Hut bekleidet, was nahelegt, es handele sich um
ein Abzeichen ihrer Zunft. Bei einer anderen Abbildung dieser Hutform sieht man einen
Kinnriemen.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Diese Kopfbedeckung ist nicht gut erkennbar, ist aber durch ihre wallende Form auffällig.
Eventuell handelt es sich um ein Haarnetz. Auffällig ist auch das leuchtend rote Haar
der Trägerin (nein, der Rest der Darstellung läßt nicht den Schluß zu, es handele sich um
ein Freudenmädchen).
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Was trägt König Richard von England hier auf seinem Rücken? Es sieht meines
Erachtens aus wie eine Tasche oder eine zusammengerollte Decke aus. Jedenfalls
trägt er es hier schräg über dem Rücken, damit es beim Reiten nicht verloren geht.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
Frisur, Rasur
|
Hierzu ist wenig zu sagen. Mit dieser Frisur und dem glattrasierten Kinn würde
Markward heute auch nicht auffallen.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|

|
Unterschiedlicher könnten die beiden wohl nicht sein. Der lange Vollbart scheint wohl eher
bei der älteren Generation angemessen, während die jüngeren sich eher
glattrasiert mit Locken darstellen. Unabhängig von ihrem Alter tragen jedoch beide
schulterlanges Haar.
Quelle: Kelso Charter von der
Timeline der National Library of Scotland (Schottland, 1159)
|

|
Die Frisuren von König Roger und seiner Gemahlin Beatrix sind reichlich
unspektakulär. Einzig erwähnenswert ist, dass in diesem Dokument fast nur hochgestellte
Männer unseres Kulturkreises barttragend dargestellt werden. Griechen und
Sarazenen trugen wohl häufiger Bart.
Königin Beatrix scheinbare Ohrringe erscheinen in einer anderen Abbildung eher
als Merkmal ihrer Krone und nicht als Schmuck der Ohren.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Die Frisur eines Gemeinen unterscheidet sich nicht wesentlich von der des Fürsten.
Die meisten Gemeinen und einfachen Ritter werden ohne Bart und mit mittellangen
Haaren dargestellt, wobei es durchaus Ausnahmen gibt.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Dieser kurze Vollbart ist eher ungewöhnlich. Es handelt sich hier um
einen Diener, der sich um den kranken König sorgt.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
Mit Spitzbart und Schnauzer konnte man sich offensichtlich auch im
Mittelalter sehen lassen. Zumindest nimmt dieser Bote so gerade eine
Botschaft aus den Händen seines Fürsten. Die Frisur ist ebenfalls absolut
alltagstauglich.
Quelle:
Liber ad honorem augusti (Italien, 1196)
|
|
|